Juli 2008

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„Der letzte Weynfeldt“ von Martin Suter

Über das Buch

Nackte Frau vor glühendem Salamander
Mit enthüllend-verhüllendem Kalkül: In Martin Suters Roman „Der letzte Weynfeldt“ geht es um halbwahre Liebe, gefälschte Malerei und einen verwirrten Kunstexperten

Den „Letzten Weynfeldt“ muss man lesen. Das ist weniger eine Empfehlung als ein Geständnis. Es ist ja nicht so, dass Martin Suters neuester Wurf auf drängende Fragen unserer Zeit eine Antwort bereit hielte, oder dass er unsere Wahrnehmung der Welt erschüttern wollte (oder vielleicht doch?). Nein, mit dem Lesenmüssen des jüngsten Suter-Werks verhält es sich viel schlichter, oder soll man sagen, physiologischer: Man wird, wenn man einmal zu lesen angefangen hat, damit höchstwahrscheinlich nicht wieder aufhören, bis man am Ende angekommen ist. Man wird in der Zwischenzeit womöglich die Nahrungsaufnahme einstellen, Kurzmitteilungen unbeantwortet lassen und den rechten Zeitpunkt zum Ausstieg aus der Straßenbahn versäumen.

Ob man den Zustand begrüßt oder nicht, man ist als Leser in Suters Hand, und das heißt in der Hand eines gewieften Magiers (und ehemaligen Werbetexters), der das Spiel mit Illusionen so virtuos betreibt wie wenige …

Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008