Milena Agus

Milena Agus | Friedrich Ani

Oktober 2008

„Die Flügel meines Vaters“ von Milena Agus

Über das Buch

Unsere Position ist 39,9 Grad nördlich des Äquators und 9,34 Grad östlich des Meridians von Greenwich. Der Himmel ist durchsichtig, das Meer saphir- und lapislazuliblau, die Pflanzenwelt verströmt die verschiedensten Düfte, die Granitfelsen schimmern silbern und golden. In den kleinen Anbauflächen auf dem Hügel, die die Menschen der Macchia abgetrotzt haben und die von Trockensteinmauern eingefasst sind, leuchten im Frühling weiß die Mandelblüten, im Sommer rot die Tomaten und im Winter gelb die Zitronen.

Aber oft langweilt uns all diese Schönheit. Dann sehnen wir uns nach der normalen Welt und werden unruhig. In solchen Momenten machen Madame und ich, wenn es gerade nicht möglich ist, in die Stadt zu fahren, ziemlich verrückte Sachen, um uns abzureagieren. Beispielsweise tauchen wir im Winter ins eiskalte Meer oder rennen den zweihundert Meter langen, steil abfallenden Saumpfad um die Wette zum Strand hinunter und ohne Pause gleich wieder zurück. […] Und kaum ist der Winter vorüber, gehen wir Spargel stechen, um uns zu Hause Spargelomeletts zu machen. …